Unsere Besucher sind gefragt!

Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner, der University of Applied Sciences Europe Fachrichtung Psychologie in Berlin, haben wir unsere Besucher befragt und die Erwartungen an die Ausstellung, Reaktionen auf unsere Plastinate
und allgemeine Einstellungen zu Organ- und Körperspende eruiert.

Das Psychologie-Studium der Universität lehrt die Studierenden das menschliche Verhalten und dessen Facetten. Dabei dient die Datenerhebung in der Berliner Ausstellung zur ersten wissenschaftlichen Arbeit und wir haben interessante Einblicke in unsere Besucherklientel erhalten.


Welche Kooperation gibt es zwischen KÖRPERWELTEN und der University of Applied Sciences Europe Fachrichtung Psychologie?

Die Kooperation der Körperwelten-Ausstellung und des Bachelorstudiengangs Psychologie der University of Applied Sciences Europe betrifft drei Bereiche: die Wissensvermittlung, die Erkenntnisreflexion und die Möglichkeit, ersten Schritte ins wissenschaftliche Arbeiten.

  • Wissensvermittlung
    Inhalte des Psychologie-Studiums umfassen das Erleben und Verhalten des Menschen. Hierbei werden auch Grundlagen zum menschlichen Körper – wie z.B. zu den Sinnessystemen oder zur Stressregulation – vermittelt. Daher erhalten die Psychologie-Studierende durch den Besuch der die Körperwelten-Ausstellung einen tieferen Einblick in und ein klareres Verständnis für den menschlichen Körper.

 

  • Erkenntnisreflexion
    Die Körperwelten-Ausstellung wurde viel in der Presse besprochen und spaltet noch heute die Gemüter. Im Rahmen des Psychologie-Studiums werden Wege des Wissens- und Erkenntnisgewinns reflektiert. Die Studierenden sollen lernen, einen eigenen Standpunkt zu entwickeln und empirische (d.h. mit Daten und Erfahrungen belegte) Erkenntnisse von bloßen Meinungen abzugrenzen. Dies ist die Basis für wissenschaftliches Arbeiten und wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt.

 

  • wissenschaftliches Arbeiten
    Im Rahmen der Kooperation durften die Psychologie-Studierenden des 2. Semesters erste Erfahrungen in der Durchführung eines Forschungsprojektes sammeln. Dazu überlegten sie sich auf der Grundlage ihrer eigenen Eindrücke beim Ausstellungsbesuch individuelle Fragestellungen und entwickelten einen dazu passenden Fragebogen. Eine Woche lang teilten die Studierenden den Fragebogen an die Besucher der Körperwelten-Ausstellung aus. Auch die Auswertung und Präsentation ihrer Ergebnisse gehörten zu den ersten wissenschaftlichen Schritten dazu. Ihre Ergebnisse stellten die Studierenden auf wissenschaftlichen Postern dar. Diese sind für einige Wochen im Foyer der Körperweltenin Berlin zu sehen.

Was war besonders interessant bei der Datenerhebung?

Studentin 1: „Es war interessant zu sehen, wer Körperwelten eigentlich besucht und welche Besucher dazu bereit waren, unseren Fragebogen auszufüllen. Wir haben oft Feedback über unseren Fragebogen bekommen, was dabei geholfen hat zu sehen, was wir bereits gut gemacht haben und was wir vielleicht bei der nächsten Fragebogen-Erhebung anders machen könnten.“

Studentin 2: „Besonders interessant bei der Datenerhebung fand ich die bunte Mischung an Teilnehmern, die durch die Ausstellung angezogen werden.“

Studentin 3: „Interessant war es von Beginn an, da ich vorher noch keine Daten erhoben habe und somit aufgeregt und neugierig war. Dazu kam auch ein gewisser Spaß-Faktor, da die Erhebung gemeinsam mit meinen Kommilitonen/Freunden stattgefunden hat.“

Was spiegelten die Ergebnisse wider?

Studentin 1: „Körperwelten wird von einer bunten Mischung an Menschen besucht. Es gab viele unterschiedliche Meinungen und Antworten zu unseren untersuchten Themen. Was mich insbesondere gefreut hat zu sehen war, dass einige der Besucher Organspender sind oder sich zumindest mit dem Thema auseinandergesetzt hatten.“

Was ist der besondere Mehrwert für Psychologie-Studierende bei einem KÖRPERWELTEN Besuch?

Studentin 1: „Meiner Meinung nach kann ein Besuch in Körperwelten besonders die biologische Seite der Psychologie sowie einen insgesamt gesunden Lifestyle bereichern (z.B. kann wird der Aufbau von Sinnesorganen gezeigt, eine Raucherlunge im Vergleich zu einer gesunden Lunge, etc.).“

Studentin 2: „Die Auseinandersetzung mit den durch die Ausstellung gegebenen Themen, wie beispielsweise der Umgang mit Tod, Gesundheit und Körper, ist für Psychologie-Studierende sehr interessant.“

Welche Dinge können durch einen Besuch besser nachvollzogen werden bzw. welche Dinge werden besonders gut verbildlicht?

Studentin 1: „Zum einen wird ein mutiertes Kalb mit zwei Köpfen ausgestellt, was den Besucher dazu anregt, über Mutationen nachzudenken. Viele Menschen leiden an Mutationen z.B. Turner Syndrom, bei dem eine Frau nur ein X-Chromosom besitzt und deswegen keine Kinder zeugen kann. Zudem sind sie durchschnittlich kleiner. Beides kann zu Depressionen führen. Zum anderen regt die Ausstellung dazu an, den Wert des eigenen Körpers zu überdenken. Die Raucherlunge verbildlicht, wie Menschen über den Schaden, den sie ihren Körper antun, hinweg schauen und trotzdem ihrem Suchtverhalten nachgehen und welche Folgen dies hat. Und das Thema der Plastination regt an, nicht nur über die Körper-, sondern auch über die Organspende, nachzudenken, was den Wert des eigenen Körpers über den Tot hinaus verdeutlicht.“

Studentin 2: „Für mich wurde besonders klar, wie natürlich die Vergänglichkeit des Lebens ist und welcher offene Umgang mit diesen Themen möglich oder sogar förderlich ist.“

Studentin 3: „Für die Erarbeitung eines Fragebogens können sich durch den eigenen, vorherigen Besuch der Ausstellung Fragen ergeben, welche die Vorbereitungen und Bearbeitung der Erhebung beeinflussen, da ein tieferer Einblick in die Körperwelten entsteht.“

Was bedeutet Psychologie für dich und wo würdest du dieses Thema In der Ausstellung angliedern?

Studentin 1: „Psychologie ist eine fächerübergreifende Wissenschaft, welche sich mit dem Funktionieren, aber auch dem Wohlergehen der Psyche und des Körpers befasst. Ich denke, dass z.B. eine gesunde Körperwahrnehmung und der Wert des Körpers durch Besuche in der Körperwelten-Ausstellung gefördert werden kann. So kann das eigene Leben mehr wertgeschätzt werden.“

Studentin 2: „Psychologie betrachtet unter anderem das Verhalten von Menschen, wozu auch Reaktion auf Situationen gehören, zu bemerken und zu verstehen. In der Ausstellung lässt sich die Reaktion der Besucher auf die Ausstellungsstücke beobachten, die sicher in der Form selten in der üblichen Umwelt eines Menschen auftauchen.

Studentin 3: „Für mich steckt überall auf eine bestimmte Art und Weise Psychologie. Angefangen bei Wahrnehmungen, Verarbeitungsprozessen, Bewertungen, Gedanken und Meinungen bis hin zu Fragen, Antworten und Handlungen. Ich glaube, dass man es gar nicht konkret differenzieren kann, da auch viel im Unbewussten passiert. Bezogen auf die Körperwelten-Ausstellung bin ich der Meinung, dass Psychologie schon beim Kauf des Tickets (oder sogar davor) beginnt und bis hin zum Verlassen der Ausstellung reicht (und wahrscheinlich noch darüber hinaus).

Psychologie entwickelt sich mit uns, wie ein Prozess, und ist somit ein Teil jedes Menschen – und das ist gut so 🙂 .“


Impressionen zu den Ergebnissen, die im KÖRPERWELTEN Museum Berlin aushängen:

Mehr Infos zur University of Applied Sciences Europe: